#40821 Grüne Erde aus Verona
2022
#40821 Grüne Erde aus Verona, 2022, Pigment, 40 x 40 x 60 cm (Ausgangsmaß), Ausstellungsansicht, Caspar-David-Friedrich-Zentrum, Greifswald
Ein Haus aus 70 Kilogramm gepresstem Pigment wird im Ausstellungsraum aus seiner Holzform gelöst. Das kompakte und zugleich fragile Objekt ist von diesem Zeitpunkt an unterschiedlichen Reizen ausgesetzt: Schwingungen durch Bewegung, Licht, Luft, Schwerkraft und der eigenen Materialspannung. Das verdichtete Pigment reißt — es verändert sich über die Ausstellungszeit hinweg und zerfällt stückweise in seinen pulvrigen Ausgangszustand zurück.
Farbpigment, das klassischerweise zur Herstellung von Farbmaterial dient, wird ohne Bindemittel als Material für eine Skulptur eingesetzt. Das komprimierte Pigment arbeitet eigenproduktiv: Ohne sichtbaren Eingriff von außen reagiert es kontinuierlich auf die Bedingungen seiner Umgebung. Die Skulptur befindet sich in einem fortwährenden Übergang zwischen materieller Präsenz und Auflösung ihrer Form, zwischen Beständigkeit und Zeitlichkeit. Die Form wird aufgebaut, damit sie zerfallen kann. Zugleich ist die Skulptur Malerei im Raum. Pigment ist die kleinstmögliche molekulare Substanz, der Farbigkeit zu eigen ist und bildet das Grundelement der Malerei. Das einzelne Pigmentkorn entzieht sich nahezu dem menschlichen Auge, erst in seiner Verdichtung gewinnt es Sichtbarkeit und Präsenz. Ein beinahe immaterieller Stoff wird zum Träger von Farbwirkung und kann einen Denkraum eröffnen.
Grüne Erden wurden seit dem 11. Jahrhundert als Untermalung von Hautpartien (Verdaccio) verwendet, um das Inkarnat möglichst plastisch erscheinen zu lassen. Dabei bilden sie einen kühlen Kontrastton zu den warmen Fleischtönen. Die Skulptur ist ein Verweis auf die fragile Verflechtung von Mensch, gebauter Umwelt und Natur.